freiesMagazin: Einführung in Python

Da ich mit dem Erscheinen des 12. Teils meiner kleinen Einführung in Python erstmal eine ausgedehnte Pause einlegen werde, hier einmal ein kurzer Überblick der bisher erschienen Teile:

Bei Gelegenheit werde ich nochmal versuchen, die letzten sechs (oder gleich alle 12?) Teile zu bündeln. Außerdem steht noch eine Python3-Aktualisierung an: Zwar ist Python2 noch immer der Standard in der Linux-Welt. Mittels GObject-Integration lässt sich aber inzwischen anständig GTK in Python3 programmieren.

 

Conky und die Fußball EM 2012

Ich bin neulich zufällig auf OpenLigaDB gestoßen, ein Community-Projekt, das zeitnah Sport-Ergebnisse als Webservice zur Verfügung stellen will. Über die SOAP-Schnitstelle lassen sich die Daten unkompliziert und ohne Registrierung abrufen.

Ich habe dazu ein kleines Python-Skript gebaut, das jeweils ausgibt, welche Spiele an einem Tag stattfinden und wie es ggf. gerade steht. Die Ausgabe eignet sich gut für die Einbindung in Conky.

Für das Skript gibt es eine Github-Projektseite. Es sollte genügen, die Datei csi.py im Ordner ~/.conky abzulegen und in der Datei ~/.conkyrc einen Eintrag wie diesen anzufügen:

${font size=11:italic}${color slate grey}Fußball EM 2012 ${hr}${color }${font }
${execi 120 python ~/.conky/csi.py}

Das Skript benötigt das Modul “suds”, das bei vielen Distributionen als “python-suds” oder “python2-suds” zur Verfügung stehen sollte. Unter Umständen (beispielsweise unter Arch) muss der Aufruf python durch python2 ersetzt werden, weil das Skript nur unter Python2 lauffähig ist. Wenn Python2 in eurer Distribution ohnehin noch der Standard ist, funktioniert der Aufruf python ~/.conky/csi.py aber auch.

Wirkliche “Echtzeitergebnisse” sind übrigens mit diesem Skript letztlich nicht möglich: Zum Einen werden die Ergebnisse bei OpenLigaDB händisch eingetragen, so dass es dort schon zu Verzögerungen von etwa einer Minute  kommen kann, zum Anderen empfiehlt es sich auch, Conky das Skript in größeren Intervallen ausführen zu lassen, um OpenLigaDB und den eigenen Rechner nicht unnötig zu belasten.

/edit: SUDS-Abhängigkeit ergänzt

Frei nach Valentin

Beim WDR findet sich ein Bericht über Abmahnungen im Zusammenhang mit Zitaten von Karl Valentin. Um mich dieser Gefahr nicht auszusetzen, schlage ich eine leichte Variation einschlägiger Valentin-Zitate vor.

Er ist schon für alles verklagt worden, nur noch nicht von jedem.

Kritik der Lobhudelei

Amazon-Rezensionen sind eine Welt für sich. Sieht man von bösartigen Kampagnen ab, gibt es noch immer eine große Menge Unkraut im Amazons Bewertungsgarten. Neben Bewertungen, die sich gar nicht auf das Produkt beziehen (Versand etc.), finden sich unsachliche Schmähkritiken, schlimmstes Kauderwelsch und Fälle von PEBKAC.
Sehr gerne – so habe ich den Eindruck – bewertet man aber auch sehr gut. So sind besonders die Negativ-Bewertungen in aller Regel einen Blick wert: Nicht selten wird dort übereinstimmend und glaubwürdig über Probleme berichtet, von denen in den positiven Rezensionen kein Wort erwähnt wird.

Während ich mich mit der Amazon-Bewertungswelt aber durchaus noch abfinden kann, bin ich doch sehr irritiert über das, was sich in der YouTube-Technik-Review-Szene so abspielt. Wer bei YouTube nach einem aktuellen Smartphone sucht, findet Video-Reviews in allen Sprachen und Dialekten, vom kurzen “Hands on”-Clip bis hin zur Besprechung in Spielfilmlänge. Einige dieser Kanäle haben deutlich mehr als 1.000 Videos produziert, haben für ihre Clips ein Corporate Design oder sogar eine feste Dramaturgie für die Produktvorstellungen. Fast schon obsessiv wirken die abertausend Unboxing-Videos. Dort wird nach dem Öffnen des Originalkartons das Produkt erstmal zur Seite gelegt, um ausführlich die im Karton befindlichen Anleitungen, Kabel und Tüten zu besprechen. Nicht fehlen darf dabei die Bemerkungen, dass die Anleitungen ja ohnehin von niemanden gelesen würden. In Video gegossene Philosophie!

Was der Verpackung bereits an Enthusiasmus entgegen gebracht wird, setzt sich bei dem Produkt dann gerne in a) unkritischer Begeisterung oder b) nüchternem Faktenaufzählen und Zeigen fort. Außerdem wird bei jeder Besprechung eines Android-Smartphones das System stoisch von Grund auf neu erklärt. Einem Satz wie “Das Phone kommt wie zu erwarten mit Android 2.3.6 Gingerbread und natürlich mit Samsungs TouchWiz-Oberfläche” sollte in Zeiten des Hypertexts mit entsprechenden Links Rechnung getragen werden – nicht mit der millionenfacher Redundanz!

Obwohl einige Technik-Reviewer mittlerweile das Glück zu haben scheinen, kostenlose Rezensionsexemplare nutzen zu können (vll. missbrauchen sie aber auch nur ihr Widerrufsrecht bei Amazon), scheint die Distanz zum Produkt in aller Regel nicht all zu groß zu sein. Manche Videos verkommen dabei regelrecht zu Werbeveranstaltungen – ein Phänomen, das man bereits kennt, immerhin machen sich bei YouTube einige prominente “YouTuber” zu Werbefiguren.

Auch wenn die Ausstattung einiger Rezensenten durchaus gut zu sein scheint (hochwertige Kameras, spezielle Aufnahmekabinen oder klarer Nagellack zeugen von einer gewissen Professionalisierung), werden bei den Besprechungen in aller Regel altbekannte Fakten wiedergekaut: Auflösung des Bildschirms, Auflösung der Kamera, Größe des Akkus und Größe des Gerätes sind solche Standard-Informationen, die zuverlässig in jedem Video angepriesen werden. Auch die Position der Lautstärken-Wippe und die Frage, ob und wie diese beschriftet ist, scheint zu den elementaren Fakten rund um den mobilen Begleiter zu gehören. Dafür wird dann bei der Qualitäts-Bewertung in der Regel auf alle belastbaren Daten verzichtet: Klang, Kamerabild oder Verbindungseigenschaften werden ebenso subjektiv bewertet, wie beispielsweise die Eigenheiten des Bildschirms. Das höchste der Gefühle ist in einigen Fällen ein angehängter Download-Link, der zu mit dem Testgerät erstellten Fotos und Videos führt. So kann man sich zumindest selbst ein Bild machen.

Insgesamt kann ich gut verstehen, dass sich diese Produkt-Reviews großer Beliebtheit erfreuen. Sie verbinden Information, Vorfreude und natürlich nette Berieselung aus der schönen Welt des HighTechs. Wenn man sich aber tatsächlich mal viele Videos zu dem selben Gerät ansieht, stellt man schnell fest, dass über einen gewissen Basissatz an Informationen hinaus selten Weiterführendes besprochen wird. Vor allem fehlt es aber an fundierter Kritik. So werden in Computerzeitschriften und den dazugehörigen YouTube-Kanälen bisweilen Probleme angesprochen, die bei den Semi-Professionellen Testern unter den Tisch fallen.

Natürlich gibt es Ausnahmen, bei denen eine erfrischende Distanz zu den Testprodukten zu spüren ist. Die Regel ist es aber in meinen Augen nicht. Ebenso wie die eingangs erwähnten Amazon-Rezensionen sind die Technik-Reviews als mit Vorsicht zu genießen: Hier tummeln sich Privatpersonen, die begeistert mit ihrem Neuerwerb prahlen neben Semi-Professionellen Testern, bei denen nicht ganz klar ist, ob und in wie weit sie mit den Herstellern / Zulieferern kooperieren. Selbst wenn wir jetzt mal nicht unterstellen, dass diese Tester einseitige Produktwerbung betreiben: Einen ausführlichen Alltagstest dürften die Geräte in den seltensten Fällen hinter sich gebracht haben – ganz zu schweigen von kritischen Überprüfungen der Herstellerangaben.

Auch wenn viele Videos also vor vermeintlichen Fakten nur so zu strotzen scheinen – man sollte sie mit Vorsicht genießen. Ein Blick in einschlägige Foren können sie in aller Regel nicht ersetzen – wohl aber die Zeit beim Warten auf den Paketboten verkürzen.

Die zwei Gesichter des Handelsblatts

In der Debatte um das Urheberrecht wurde ja verschiedentlich betont, dass die Autoren einerseits und die Reformer andererseits gar nicht notwendig auf unterschiedlichen Seiten stehen, dass also – wenn man schon das Augenmerk auf die sicherlich auch vorhandenen Differenzen legt – eher von zwei Seiten einer Medaille als von zwei unvereinbaren Gegensätzen die Rede sein sollte.

Sehr schön deutlich wird das immer dann, wenn eine dritte Partei auftritt – etwa Verlage. Diese haben nun naturgemäß eine eher pragmatische Beziehungen zu den Persönlichkeitsrechten der Autoren und könnten sicher auch sehr gut mit dem angelsächsischen Copyright leben. Für sie ist es also letztlich nur von Interesse, dass das jeweilige Schutzrecht das nötige Instrumentarium bietet, um die eigenen (kommerziellen) Interessen zu wahren und durchzusetzen.

So gesehen kann man sich wohl in der Tat Gedanken darüber machen, ob nicht beispielsweise der ein oder andere schlecht recherchierte SZ-Bericht zum Thema Urheberrechtsreform auch darauf zurück zu führen ist, dass es den Verlagen ganz gelegen kommt, wenn die Künstler (gegen die kann ja keiner was haben!) im Namen der Kultur und der schönen Dinge überhaupt das Schreckgespenst von Verfall, Banausentum und Ignoranz an die Wand malen.

Das erklärt auch, warum beim Piraten-Bashen und Panik-Machen immer so gerne auf O-Töne von mehr oder minder bekannten Künstlern zurück gegriffen wird: Aus den Zitaten lassen sich immer wieder neue Artikel und Kommentare generieren, die jeweils der aktuellen Gefahrenlage angepasst werden. So erweckt man schnell den Eindruck, hier werde aus erster Hand berichtet – die Künstler müssen es ja wissen! Künstlerkummer ist also billiges Material und befreit die Verlage von der Verlegenheit, in “eigener Sache” schreiben zu müssen, dass man doch bittesehr bei der Urheberrechtsreform nicht an ihre Pfründe gehen möge. Das liest sich nicht sehr neutral und sorgt beim Leser womöglich noch für kritische Fragen.

Dass Verlage auf der einen Seite und Autoren auf der anderen Seite stehen können, zeigt aktuell sehr schön ein Beitrag im Handelsblatt. “100 Autoren provozieren Netzpiraten” heißt es da. Während sich das Handelsblatt also im Künstlerkummer suhlt und scheinbar uneigennützig den armen Autoren ein Forum bietet, berichtet Thomas Stadler darüber, wie das Handelsblatt geschäftlich mit den Autoren zu arbeiten scheint. Dabei räumt sich das Blatt nach der Darstellung Stadlers weitreichende Nutzungsrechte an dem Werk der Autoren ein – inklusive des Rechtes, die Nutzungsrechte auf Dritte zu übertragen.

Stadler findet für diese Praxis deutliche Worte und spricht u.a. von “Knebelverträgen”. Außerdem verlinkt er einen offenen Brief eines betroffenen Autoren: Dieser wendet sich darin an das Handelsblatt und tut seinen Unmut über diesen Versuch des “Total Buyouts” kund.

Ich denke, dass dieser Fall sehr deutlich macht, wie sich einige Autoren von den Verlagen einspannen lassen, obwohl die Verlage durchaus als Teil des Problems bezeichnet werden können. Leider scheint die Argumentationsstrategie “das Internet und die Kostenloskultur sind schuld!” bei vielen Autoren zu verfangen. Gleichzeitig zeigt der offene Brief von Matthias Spielkamp aber auch, dass es Autoren gibt, die sich von den Verlagen nicht in diese unkritische Klagerolle drängen lassen.

“Ohne mich”

Das bekannte Zündfunk-Interview, in dem Sven Regener in einem längeren Monolog seinen Standpunkt zur Urheberrechtsdebatte darlegt, liegt mittlerweile gute 10 Tage zurück. In dieser Zeit wurden Regeners Äußerungen mehrfach ausgiebig kritisiert, etwa bei Netzpolitik oder in einer eher persönlichen Antwort auf 11k2.

Ebenso unglücklich wie der Regener-Aufreger wirkte der Debattenbeitrag von 51 Tatort-Drehbuchautoren. In dem offenen Brief wurden Piraten, Grüne und “die Netzgemeinde” recht undifferenziert in einen Topf geworfen und allerlei Lebenslügen bezichtigt. Selbst bei Spiegel Online werden die Ausführungen der Tatort-Autoren als “Beschimpfung” interpretiert. Kein Wunder, bauten die Tatort-Autoren in ihrem offenen Brief überwiegend Strohmänner auf, an denen sie sich genüsslich abarbeiteten. Auch hier ließen Entgegnungen und Gegendarstellungen nicht lange auf sich warten.

All diese kontroversen Beiträge hätte Thorsten Schmitz pointiert analysieren und zu einem stimmigen Plädoyer für ein zielgerichtete, vorurteilsfreie und sachliche Debatte nutzen könnten. Das hat er nicht getan.

In der Süddeutschen Zeitung vom 31.03/01.04 inszeniert Schmitz geradezu ein Meisterwerk aus Einseitigkeiten und Klischees. Auf Seite 3 (dort wie üblich als ganzseitiger Artikel) arrangiert er Zitat- und Interviewfetzen verschiedenster Personen zu einer stimmigen Melange aus Panikmache und Piratenhatz. Diese – so darf der Leser erfahren – seien eine “Existenznehmerpartei”, die noch nie mit Künstlern gesprochen, von Politik und dem Urheberrecht keine Ahnung haben und dennoch dessen Abschaffung forderten.

So wird wieder dieser unsägliche Regener-Ausraster bemüht – ohne Hinweis auf die vielen berechtigten Einwände. Zitiert wird Max Raabe mit dem sinnreichen Satz “Das Urheberrecht ist nicht vom Himmel gefallen. Es ist eine Errungenschaft – wie die Demokratie”. Die Autorin Julia Franck darf sagen, dass es “Unsinn” sei, alle Kunst dem Volk gratis zugänglich zu machen. “Das würde zur Barbarei führen”. Wer genau diese Forderung gestellt hat und ob es ein Konzept dazu gab, wird leider nicht weiter ausgeführt – irgendwer “in dem Internet” wird derartiges sicher schonmal undifferenziert gefordert haben. Auch ein Urheberrechts-Anwalt, ein Konzert-Veranstalter und der Gema-Chef dürfen sich über den neuen Zeitgeist, das Urheberrecht und natürlich die Piraten auslassen. Da ist dann beispielsweise von “McCarthy-Stimmung” die Rede: “Niemand traut sich mehr, was zu sagen. Nur der Regener”. Schnell gelte man als “uncool” und müsse um seinen Broterwerb fürchten.

So kommt in dem Artikel einiges zusammen: Den Piraten werden alle möglichen und unmöglichen Positionen unterstellt – selbstverständlich darf sich kein Vertreter der Partei dazu äußern. Stattdessen kommen Personen zu Wort, die ein Szenario beschwören, in dem ein Künstler Enteignung und Ächtung fürchten müssen (der Hinweis auf die verfolgten Kommunisten in der McCarthy-Ära ist in meinen Augen ziemlich bodenlos). Ein Szenario, in dem prädigitale Künstler und Verwerter die letzte Bastion sind in einer Gesellschaft, die das Urheberrecht mental schon abgeschafft zu haben scheint und (raub)kopiert als gäbe es kein Morgen mehr.

Dies nur als kurze Zusammenfassung eines in meinen Augen unterirdischen Artikels, den die SZ vermutlich aus guten Gründen nicht im Netz zum Abruf bereit hält. Das ist auch der Kontext des Leserbriefes, den ich heute trotz meiner Abscheu gegenüber dieser Art der Unmutsbekundung verfasst habe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

über den Artikel “ohne mich” in der SZ vom 31.03/01.04 war ich ernsthaft enttäuscht. Wie kann es sich die SZ leisten, sich über eine ganze Seite in Einseitigkeiten zu ergießen? Welchen Wert hat ein Debattenbeitrag, dessen Auseinandersetzung mit der Gegenposition sich im Wesentlichen darauf beschränkt, “Ahnungslosigkeit” zu unterstellen und alte Ressentiments zu bedienen?
Die Debatte um eine Reform des Urheberrechts ist deutlich weiter fortgeschritten, als Sie und die von ihnen zitierten Autoren den Lesern Glauben machen wollen. So geht es keineswegs darum, die Autoren zu berauben oder das Urheberrecht rundweg abzuschaffen. Im Gegenteil versuchen viele Modelle, auch die kleinen Künstler und die Straßenmusiker (über letztere äußert sich Regener in seinem Zündfunk-Interview fast schon abfällig) verstärkt vom Verteilungssystem profitieren zu lassen. Auch der Verbraucherschutz (Stichwort: Abmahnwelle) und “neue” Formen von Kreativität (Remix, Montage, Sampling), die eigentlich kaum mehr “neu” zu nennen sind, sollen durch ein reformiertes Urheberrecht gefördert und rechtlich abgesichert werden. Einige Überlegungen zielen sogar explizit auf die Stärkung des Urheberrechts, indem etwa die Positionen von Autoren und Musikern gegenüber Verlagen und Labels gestärkt werden. Schließlich geht es auch schlichtweg um die Wahrung von Kulturgütern – indem die sog. “Lücke des 20. Jahrhunderts” geschlossen wird.

Von all dem ist bei Ihnen kein Wort zu lesen. Das ist mehr als enttäuschend – diese Einseitigkeit und eine derartige Verfremdung real existierender Positionen muss doch fast schon programmatisch sein?

Herzliche Grüße,

Ich finde es ganz schön entlarvend, dass ein Artikel, der eine ganze Zeitungsseite umfasst, nicht mit einem Wort auf diese Modelle, Vorschläge und Probleme eingeht… sie haben nichts mit Enteignung und “Abschaffung des Urheberrechts” zu tun.

Catacomb Snatch – Ein Spiel entwickelt sich weiter

Im letzten Beitrag zum Thema Catacomb Snatch bin ich kurz auf die Weiterentwicklung des Spiels eingegangen und habe einen Leveleditor vorgestellt. In diesem Teil möchte ich nun genauer das Catacomb Snatch-”Ökosystem” ins Auge fassen.

Forks
Nachdem das Spiel am Sonntag freigegeben wurde, haben sich recht schnell verschiedene Forks gebildet. Besonders häufig wurden dabei die Steuerung (Mauskontrolle), verschiedene Bugs und natürlich die Platzhalter-Sprites ins Auge gefasst. Zu den bekannteren Forks gehören sicherlich:

  • Uber Catacomb Snatch
    Ein Fork, der mittlerweile durch einen Artikel in der englischen Wikipedia geadelt wurde und entsprechend oft verlinkt wird; das meiner Meinung nach aber etwas zu Unrecht: Es gibt anscheinend nur einen Entwickler, der Source scheint nicht verfügbar zu sein. Entsprechend hinkt dieser Fork den übrigen hinterher, wenngleich es ein paar nette Ideen gibt (so können die Droiden beispielsweise die Münzsammler leeren).
  • Catacomb Snatch: Reddit Edition
    Ein Fork, der von der Reddit-Community betrieben wird. Hier gibt es unter anderem zwei neue Level, neue Grafiken für einige Knöpfe und Sichtlinien für die Geschütze.
  • Maescool’s Catacomb Snatch fork
    Derzeit mit 67 Forks auf Github und über 110 Abonnements wohl der aktivste Ableger. Aufgrund der Vielzahl von Änderungen, soll dieser Fork etwas ausführlicher vorgestellt werden.
Maescool’s Catacomb Snatch fork
Bei mittlerweile mehr als 67 Forks und gut 40 Pulls Request auf Github kann dieser Fork sicher nicht mehr allein dem belgischen Entwickler “Maescool” zugeschrieben werden – dieser Fork hat sich zu einem tatsächlichen Gemeinschaftsprojekt weiter entwickelt. 
Neben dem Github-Projekt gibt es eine offizielle Seite mit Forum, ein automatisches Build-System mit den jeweils aktuellsten Version und ein kleines Wiki. IRC-Nutzer können im Freenode-Kanal #catacomb-snatch die Entwicklung verfolgen.
Einige Neuerungen bei diesem Fork sind:
  • Neue, schickere Grafiken in den Menüs.
  • Neue Levels und eine ansprechende Levelauswahl.
  • Levels werden automatisch aus dem Ordner ~./mojam/levels ausgelesen.
  • Neue Menüs “Optionen” und “How to Play”
  • Verschiedene Schwierigkeitsstufen
  • Zielen, schießen, kaufen und aufheben sind nun mit der Maus möglich
  • Levelsystem mit Erfahrungspunkten
  • Upgradesfür Münzsammler und Geschütze (Taste “F”)
  • Vollbildmodus (F11)
  • Pause-Bildschirm (ESC)
Durch die Änderungen und Verbesserungen ist diese CS-Version meiner Meinung nach derzeit die attraktivste und interessanteste. Auf der Issue-Seite bei Github gewinnt man schnell einen Überblick über die verschiedenen Ideen, die zur Zeit in Angriff genommen werden.
Weitere Ressourcen im Netz
Die Seite “The Crypt” bietet weiteres Material rund um Catacomb Snatch. Neben einem Forum finden sich dort Level zum Herunterladen, eine Übersicht verschiedener Forks und Anleitungen zum Erstellen von Leveln und Einrichten eines eigenen Eclipse-Projektes auf Basis des CS-Source Codes.
Das Entwickler-Team Mojang hat zudem eine kurze Anleitung veröffentlicht, in der geschildert wird, wie der CS-Source Code genutzt werden. Dort werden auch einige Probleme angerissen und mögliche Weiterentwicklungen vorgeschlagen.

Leveleditor für Catacomb Snatch

Das kleine Spiel Catacomb Snatch hat in den letzten Tagen viel von sich Reden gemacht: Die Spieleschmiede Mojang (u.a. Minecraft) hat es innerhalb von 60 Stunden während des “Humble Bundle Mojam” erstellt und die Entwicklung mit einem Livestream übertragen.

Zwar ist Catacomb Snatch alles andere als vollständig – es gibt nur ein Level, die Roboter verhalten sich noch außerordentlich dumm und verschiedene Platzhalter-Sprites lassen deutlich auf den Zeitdruck schließen – dennoch hat das Spiel eine gewisse Beliebtheit erlangt. Da Mojang den Sourcecode verfügbar gemacht hat, gibt es mittlerweile mindestens einen Fork, der die Entwicklung fortführt. Eine leicht veränderte Steuerung, die Behebung einiger Fehler und die neuen Sprites sind durchaus einen Blick wert. Ein weiterer Fork, der u.a. Maussteuerung implementiert, findet sich hier.

Weil auch der Fork noch immer nur das eine, alte Level bietet, habe ich einen kleinen Leveleditor geschrieben. Da Catacomb Snatch Tile-Maps verwendet, lassen sich die Level zwar auch mit jedem Grafikprogramm bearbeiten, allerdings soll der Leveleditor das Bearbeiten, Laden und Speichern der Level etwas erleichtern. Daher ist er auch in der Lage, die Level direkt in das Java-Archiv von Catacomb Snatch zu schreiben.

Natürlich ist der Editor noch nicht sonderlich ausgereift – so werden beispielsweise keine Backups erstellt und auch auf die gewohnten “Sind sie sicher…?” Nachfragen muss der Nutzer noch verzichten. Wer schnell ein paar neue Karten für Catacomb Snatch entwerfen und testen möchte, wird damit aber vermutlich durchaus leben können.

Die aktuelle Version lässt sich jeweils über GitHub beziehen. Dort besteht auch die Möglichkeit, Probleme zu melden.

Erweiterungen für die Gnome-Shell

Zur Entwicklungspolitik der Gnome-Macher gehört es, einen einheitlichen Desktop auszuliefern, der (euphemistisch formuliert) nicht mit Einstellungsmöglichkeiten überladen ist. Gerade in den frühen Versionen von GNOME3 war dies durchaus Anlass für Kritik, sahen sich doch viele Nutzer bevormundet und nicht in der Lage, die beanstandeten Eigenheiten der Gnome-Shell bequem wegzukonfigurieren. Dafür gibt  es aber eine mächtige Erweiterungs-Schnittstelle, mit der sich alle möglichen Verhaltensweisen und Darstellungen der Gnome-Shell bearbeiten lassen.

Ein lange erwarteter und sicher nicht unwichtiger Schritt zu einem benutzerfreundlicheren Desktop war daher die Seite extensions.gnome.org, über die Erweiterungs-Entwickler und Nutzer zusammenfinden. Die Seite bietet Erweiterungen nicht nur an, sondern ermöglicht es auch, diese direkt dort zu installieren und zu (de)aktivieren.

Eben weil das Installieren und Nutzen von Erweiterungen durch die Seite so komfortabel geworden ist, möchte ich die Erweiterungen vorstellen, die ich nutze, um den Gnome-Desktop meinen Vorstellungen anzupassen.

Workspace Indicator
Diese Erweiterung zeigt im Panel die aktuelle Arbeitsfläche an und erlaubt es, diese per Mausklick oder Mausrad zu wechseln. Erspart den Wechsel in den Overlay-Modus.

Desktop Scroller
In eine ähnliche Kerbe schlägt der “Desktop Scroller”. Ist diese Erweiterung aktiviert, kann durch Scrollen am rechten Bildschirmrand ebenfalls die Arbeitsfläche gewechselt werden. Die Erweiterung lässt sich relativ leicht so umbiegen, dass das Scrollen am linken Bildschirmrand den Arbeitsflächenwechsel auslöst.

Auto Move Windows
Gehört sicher zu den bekannteren Erweiterungen. Sie verschiebt beliebige Programme nach dem Start auf vorgegebene Arbeitsflächen. Nützlich, wenn man beispielsweise sein Mail-Programm für gewöhnlich auf Arbeitsfläche 2 starten möchte.

Native Window Placement
Normalerweise ordnet die Gnome-Shell die Fenster im Overlay-Modus symmetrisch an und weist jedem Fenster die selbe Höhe zu. Diese Erweiterung sorgt dafür, dass das Größenverhältnis der Fenster im Overlay-Modus dem realen Größenverhältnis entspricht. Außerdem wird die Anordnung der Fenster so vorgenommen, dass sie der Anordnung der Fenster auf dem Desktop näher kommt. Das erleichtert die Orientierung und das Wiederfinden im Overlay-Modus.

Alternative Status Menu
Ebenfalls sicher eine Standard-Erweiterung. Die Überlegung der Gnome-Macher, den Suspend-Modus in den Vordergrund zu stellen, indem er standardmäßig die einzige Option zum Herunterfahren im Statusmenü ist, stieß von Anfang an bei vielen Nutzern auf Unverständnis – auch weil die Möglichkeit, mit Hilfe der ALT-Taste weitere Optionen zu erhalten, nicht besonders alltagstauglich bzw. intuitiv erschien. Die Erweiterung “Alternative Status Menu” fügt daher weitere Optionen zum Statusmenü hinzu.

PulseAudio-Equalizer
Diese Erweiterung fügt im Sound-Menü eigentlich nur einen Eintrag für den PulseAudio-Equalizer hinzu, der unabhängig davon zusätzlich installiert werden muss. Dennoch finde ich die Erweiterung durchaus praktisch, da der Equalizer so immer griffbereit ist und zum Experimentieren einlädt – nicht nur bei Vuvuzela-Sorgen.

Presentation Mode
Bei Präsentationen oder Flash-Videos greift die Unterdrückung des StandyBy-Modus des Monitors häufig nicht – der StandBy müsste jedes Mal im Vorfeld manuell deaktiviert werden, wenn man nicht grundsätzlich darauf verzichten möchte. Diese Erweiterung fügt einen weiteren Menüpunkt im Statusmenü an, so  dass der StandBy-Modus des Monitors mit einem Klick unterdrückt werden kann.

noa11y
Das Erreichbarkeits-Menü im Gnome-Panel wird von vielen Nutzern nicht benötigt und kann mit dieser Erweiterung entfernt werden.

Bigger MessageTray Corner
Mit dem Update auf GNOME 3.2.2 wurde der Bereich, der die MessageTray hervorbringt, wenn man mit der Maus darüber fährt, auf einen Pixel verkleinert: Der Nutzer muss die Maus nun nur noch in die untere, rechte Ecke schubsen und kann so auf seine Benachrichtigungen zugreifen, ohne die Leiste ständig versehentlich anzuzeigen, wie es in früheren Versionen oft geschah. Wer allerdings einen zweiten Monitor rechts neben dem ersten angeordnet hat, wird unter Umständen Mühe haben, den “magischen Pixel” in der unteren, rechten Ecke des ersten Monitors zu erwischen. Diese kleine Erweiterung habe ich geschrieben, um den Maus-Bereich wieder auf 300 Pixel auszudehnen.

Media Player Indicator
Ubuntu-Nutzer kennen bereits die Möglichkeit, ihre Media-Player über das Sound-Menü im Panel zu steuern. Diese Erweiterung bietet diese Möglichkeit auch für Gnome-Shell-Nutzer – vorausgesetzt, die von ihnen eingesetzten Medien-Spieler nutzen die MPRIS-Schnittstelle.

gTile / KeyTiling
Ich habe ja schon’mal erwähnt, dass es gerade auf großen Monitoren attraktiv ist, seine Fenster überlappungsfrei anzuordnen. Nicht ohne Grund bieten viele Systeme und Oberflächen die Möglichkeit, Fenster beispielsweise über den halben Bildschirm zu spannen, wenn man sie an den entsprechenden Bildschirm-Rand zieht. Ich nutze zur Zeit gTile und meine Eigenkreation KeyTiling parallel, um ein wenig Tiling-Gefühl auf den Desktop zu bringen.

Für Hinweise auf weitere interessante Erweiterungen bedanke ich mich schonmal im Voraus :).

TurboPrint und systemd

Wer systemd verwendet und auf TurboPrint angewiesen ist, wird vielleicht festgestellt haben, dass der TurboPrint-Daemon “tprintdaemon” nicht automatisch gestartet wird. Wie der Änderungs-Übersicht zu entnehmen ist, wurde dieses Problem erst mit TurboPrint 2.24 behoben. Wer ältere Versionen einsetzt, profitiert also nicht davon.

Da es unter systemd sehr leicht ist, neue Services zu definieren, kann leicht Abhilfe geschafft werden:

[Unit]
Description=TurboPrintDaemon

[Service]
Type=forking
ExecStart=/usr/bin/tprintdaemon
Restart=on-abort

[Install]
WantedBy=multi-user.target

Dieser Code wird schlicht in der neu zu erstellenden Datei /etc/systemd/system/tprintdaemon.service
abgelegt.

Nun kann der Service mit
sudo systemctl enable tprintdaemon.service
installiert und mit
sudo systemctl start tprintdaemon.service
direkt gestartet werden.