Gysi + Bild ≠ Werbung?

Die Bildzeitung und ihre Werbung. Nachdem das Blatt ja schon vor einigen Jahren mit ihrer Kampagne “Jede Wahrheit braucht einen Mutigen…” (für die sich auch Alice Schwarzer hergegeben hat) für Verwirrung gesorgt hat (Wahrheit? Mutig?), dürfen wie uns nun an der neuen Promi-Kampagne erfreuen. Dort kommen aber nicht nur die üblichen Verdächtigen zu Wort (“Meine Meinung zu „Bild“ ist ne sehr positive, weil ich jeden Tag diese Zeitung lese”, P. Lahm), sondern auch Menschen, von denen man das eher nicht erwartet hätte: Gysi ist wohl so ein Beispiel. Der scheint nämlich der Meinung zu sein, dass ein vermeintlich pfiffiger Kommentar zur Bild die ganze Sache weniger verwerflich macht:

Gelegentlich lese ich Bild, um zu wissen, was Millionen Leserinnen und Leser denken sollen. Spaß macht mir die eine oder andere Gegendarstellung.

Die Botschaft:

  1. Die Bild ist ein manipulatives Boulevard-Blatt, das dem Pöbel die von den Machern intendierte Meinung aufoktroyiert (“denken sollen”).
  2. Über die jeweils aktuelle Bild-Propaganda informiere ich mich durch meine seltene Lektüre dieses Blattes (“Gelegentlich”).
  3. Dieses eher wissenschaftlich motivierte Engagement im Bezug auf die Bild wird nur da von leichten Spuren der Erheiterung unterbrochen, wo die Bild genötigt wurde, eine falsche Aussage mit einer Gegendarstellung zu korrigieren (“Spaß … Gegendarstellung”).
  4. Ich sage “Leserinnen und Leser” und niemals “Bild-Zeitung”.

Wenn ich mich recht erinnere, antwortete Gysi auf die Frage, warum er der Bild überhaupt zur Verfügung stehe und damit Werbung für sie mache, sinngemäß: Ich sage ja nur Schlechtes, das ist keine Werbung (allerdings weiß ich gerade nicht mehr, ob ich diese Antwort im Zeit- oder SZ-Magzin gelesen habe).

Und genau diese Antwort erinnert mich irgendwie an die Antwort Alice Schwarzers auf die Frage, warum sie denn Werbung für die Bild mache. Auch ihr ging es – natürlich! – nicht darum, präsent zu sein und sich bei den Bild-Lesern einzuschmeicheln: Wie auch Gysi ging es ihr um die Sache selbst! Denn zwischen den mutigen Parrhesiastes sollte sich nach Ansicht Schwarzers auch mindestens eine Frau befinden. Und so übt sich auch Gysi in der derzeitigen Kampagne als Parrhesiast: Denn nichts als die Wahrheit spricht er – und diese ist bekanntlich über jeden Zweifel erhaben.

Das Anti-Werbung auch Werbung ist, weiß die Werbeindustrie schon seit einiger Zeit. Und auch Gysi und Schwarzer sollten wissen, dass von ihren Kampagnen nicht viel mehr übrig bleibt als “Gysi und Schwarzer machen Werbung für Bild”. Die Anmaßung, damit etwas “für die Sache” zu tun, ist damit bestenfalls frech.

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1 Kommentare.

  1. Eine üble Geschichte, dass Gysi da mitmachte. Er hat was populistisches, aber das ist eine Nummer zu krass. Schade, dass das Thema damals so schnell unterging.

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