Erweiterungen für die Gnome-Shell

Zur Entwicklungspolitik der Gnome-Macher gehört es, einen einheitlichen Desktop auszuliefern, der (euphemistisch formuliert) nicht mit Einstellungsmöglichkeiten überladen ist. Gerade in den frühen Versionen von GNOME3 war dies durchaus Anlass für Kritik, sahen sich doch viele Nutzer bevormundet und nicht in der Lage, die beanstandeten Eigenheiten der Gnome-Shell bequem wegzukonfigurieren. Dafür gibt  es aber eine mächtige Erweiterungs-Schnittstelle, mit der sich alle möglichen Verhaltensweisen und Darstellungen der Gnome-Shell bearbeiten lassen.

Ein lange erwarteter und sicher nicht unwichtiger Schritt zu einem benutzerfreundlicheren Desktop war daher die Seite extensions.gnome.org, über die Erweiterungs-Entwickler und Nutzer zusammenfinden. Die Seite bietet Erweiterungen nicht nur an, sondern ermöglicht es auch, diese direkt dort zu installieren und zu (de)aktivieren.

Eben weil das Installieren und Nutzen von Erweiterungen durch die Seite so komfortabel geworden ist, möchte ich die Erweiterungen vorstellen, die ich nutze, um den Gnome-Desktop meinen Vorstellungen anzupassen.

Workspace Indicator
Diese Erweiterung zeigt im Panel die aktuelle Arbeitsfläche an und erlaubt es, diese per Mausklick oder Mausrad zu wechseln. Erspart den Wechsel in den Overlay-Modus.

Desktop Scroller
In eine ähnliche Kerbe schlägt der “Desktop Scroller”. Ist diese Erweiterung aktiviert, kann durch Scrollen am rechten Bildschirmrand ebenfalls die Arbeitsfläche gewechselt werden. Die Erweiterung lässt sich relativ leicht so umbiegen, dass das Scrollen am linken Bildschirmrand den Arbeitsflächenwechsel auslöst.

Auto Move Windows
Gehört sicher zu den bekannteren Erweiterungen. Sie verschiebt beliebige Programme nach dem Start auf vorgegebene Arbeitsflächen. Nützlich, wenn man beispielsweise sein Mail-Programm für gewöhnlich auf Arbeitsfläche 2 starten möchte.

Native Window Placement
Normalerweise ordnet die Gnome-Shell die Fenster im Overlay-Modus symmetrisch an und weist jedem Fenster die selbe Höhe zu. Diese Erweiterung sorgt dafür, dass das Größenverhältnis der Fenster im Overlay-Modus dem realen Größenverhältnis entspricht. Außerdem wird die Anordnung der Fenster so vorgenommen, dass sie der Anordnung der Fenster auf dem Desktop näher kommt. Das erleichtert die Orientierung und das Wiederfinden im Overlay-Modus.

Alternative Status Menu
Ebenfalls sicher eine Standard-Erweiterung. Die Überlegung der Gnome-Macher, den Suspend-Modus in den Vordergrund zu stellen, indem er standardmäßig die einzige Option zum Herunterfahren im Statusmenü ist, stieß von Anfang an bei vielen Nutzern auf Unverständnis – auch weil die Möglichkeit, mit Hilfe der ALT-Taste weitere Optionen zu erhalten, nicht besonders alltagstauglich bzw. intuitiv erschien. Die Erweiterung “Alternative Status Menu” fügt daher weitere Optionen zum Statusmenü hinzu.

PulseAudio-Equalizer
Diese Erweiterung fügt im Sound-Menü eigentlich nur einen Eintrag für den PulseAudio-Equalizer hinzu, der unabhängig davon zusätzlich installiert werden muss. Dennoch finde ich die Erweiterung durchaus praktisch, da der Equalizer so immer griffbereit ist und zum Experimentieren einlädt – nicht nur bei Vuvuzela-Sorgen.

Presentation Mode
Bei Präsentationen oder Flash-Videos greift die Unterdrückung des StandyBy-Modus des Monitors häufig nicht – der StandBy müsste jedes Mal im Vorfeld manuell deaktiviert werden, wenn man nicht grundsätzlich darauf verzichten möchte. Diese Erweiterung fügt einen weiteren Menüpunkt im Statusmenü an, so  dass der StandBy-Modus des Monitors mit einem Klick unterdrückt werden kann.

noa11y
Das Erreichbarkeits-Menü im Gnome-Panel wird von vielen Nutzern nicht benötigt und kann mit dieser Erweiterung entfernt werden.

Bigger MessageTray Corner
Mit dem Update auf GNOME 3.2.2 wurde der Bereich, der die MessageTray hervorbringt, wenn man mit der Maus darüber fährt, auf einen Pixel verkleinert: Der Nutzer muss die Maus nun nur noch in die untere, rechte Ecke schubsen und kann so auf seine Benachrichtigungen zugreifen, ohne die Leiste ständig versehentlich anzuzeigen, wie es in früheren Versionen oft geschah. Wer allerdings einen zweiten Monitor rechts neben dem ersten angeordnet hat, wird unter Umständen Mühe haben, den “magischen Pixel” in der unteren, rechten Ecke des ersten Monitors zu erwischen. Diese kleine Erweiterung habe ich geschrieben, um den Maus-Bereich wieder auf 300 Pixel auszudehnen.

Media Player Indicator
Ubuntu-Nutzer kennen bereits die Möglichkeit, ihre Media-Player über das Sound-Menü im Panel zu steuern. Diese Erweiterung bietet diese Möglichkeit auch für Gnome-Shell-Nutzer – vorausgesetzt, die von ihnen eingesetzten Medien-Spieler nutzen die MPRIS-Schnittstelle.

gTile / KeyTiling
Ich habe ja schon’mal erwähnt, dass es gerade auf großen Monitoren attraktiv ist, seine Fenster überlappungsfrei anzuordnen. Nicht ohne Grund bieten viele Systeme und Oberflächen die Möglichkeit, Fenster beispielsweise über den halben Bildschirm zu spannen, wenn man sie an den entsprechenden Bildschirm-Rand zieht. Ich nutze zur Zeit gTile und meine Eigenkreation KeyTiling parallel, um ein wenig Tiling-Gefühl auf den Desktop zu bringen.

Für Hinweise auf weitere interessante Erweiterungen bedanke ich mich schonmal im Voraus :).

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8 Kommentare.

  1. Hi Daniel,

    die ssh Search Provider Extension ist sehr praktisch, um schnell beliebige SSH Verbindungen aus der Shell zu starten: https://extensions.gnome.org/extension/73/ssh-search-provider/

    Die “Overlay Icons” sind sehr praktisch, um in der Fenster-Übersicht die Applikationen besser unterscheiden zu können: https://extensions.gnome.org/extension/60/overlay-icons/

  2. Es ist unglaublich nervig das man sich die Erweiterungen nicht “anschauen”, sprich mal auf der Seite rum browsen kann, wenn man keine gnome shell installiert hat. :mad:

    Kann man das auch irgendwie umgehen ohne sich die gnome-shell zu installieren? Ich würde es bevorzugen vorher schauen zu können ob alle notwenigen Erweiterungen vorhanden sind um alle “gnome-shell features” alias bugs beseitigt werden können, bevor ich upgrade.

  3. Habe jetzt fast zwei Stunden lang versucht, die Arbeitsflächenerweiterung herunterzuladen und zu installieren – Fehlanzeige. Scheint Murks zu sein. Gnome tut sich damit noch schwerer als Unity; offensichtlich hassen Entwickler jede Art von anzeigenden Erweiterungen … Viele Autodesigner meinen ja auch, dass Instrumente am Armaturenbrett eines Autos eher Schnichschnack seien …

  4. @Gregor:
    Hey cool zu hören, dass jemand anderer meine Extension hier empfiehlt ;-) Gut, dann muss ich das selbst nicht tun

  5. @Gregor:
    Hätte ich natürlich dazu sagen sollen. Ich habe die Extension “ssh-search-provider” gemeint ;-)

  6. @Bernd ist ne super Erweiterung, vielen Dank! :grin:

  7. Der “Advanced Calculator” ist wirklich praktisch wenn man mal schnell etwas rechnen möchte.

    Oder der “Battery Percentage Indicator”.

    Und Jump-Lists, welches den Anwendungsstarter eine Auswahl von zuletzt verwendeten Dateien im Kontextmenü an die Seite stellt.

    Persisting Overview – sorgt dafür dass das Dash nicht gleich geschlossen wird nach dem man eine Anwendung gestartet hat.

    “Search Firefox Bookmars Provider” – sagt ja alles.

    Kann mir jmd erklären wie man “Auto move windows” konfiguriert? Bei mir hat das nie geklappt.

  8. Hallo “Das Wort”,

    AutoMoveWindows ist auf der Gnome-Live-Seite erklärt. Geht zur Zeit (leider) nur über gsettings / bzw. einen Konfigurationseditor.

    https://live.gnome.org/GnomeShell/Extensions/auto-move-windows

    Kann man noch mit leben, denke ich. Danke für die weiteren Tipps. Persisting Overview trifft irgendwie meinen Bedarf – es wäre cool, wenn das über irgendeine Modifier-Taste steuerbar wäre…

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