Digital

Softwarefülle

Ich kam ja vor einiger Zeit in den Genuss, die Windows-Installation eines Bekannten neu aufsetzen zu dürfen. Da ja viele Notebooks mittlerweile eine eigene Recovery-Partition haben, habe ich nach eben dieser Möglichkeit für Vario-Notebooks gesucht und sie prompt gefunden. Tolle Sache: Ein paar Mal auf F10 gehackt und schon tat sich eine laienverständliche Oberfläche auf, die schnell und einfach eine Neuinstallation vornahm.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch recht angetan von der ganzen Sache: Ohne viel Zutun landete ein mit Treibern ausgestattetes XP auf dem Gerät. Allerdings: Statt dem ersehnten Windows gab es zunächst nur eine weitere Programmoberfläche zu sehen, die irgendwelche “Programmpakete” installieren wollte. Und dahinter verbag sich schlicht Unsinn: Ein gefühltes Dutzend Hintergrundbilder für allerlei Auflösungen – natürlich mit dem Emblem des Herstellers. Testversionen von irgendwelcher Software, Norton Anti Virus, Acrobat-Software, von der ich selbst nie gehört habe, verschiedenste Media-Erweiterungen, Update-Software und WLAN-”Starter” (wofür?!), Brenn-Utensilien und “Entertainment-Platforms”, Event Service-Tools und “SonicStage”-Geschichten. Ok – das Geräte ist mittlerweile schon durchaus alt: Im Handbuch der Serie findet sich ein Copyright-Hinweis von 2005.

Aber warum macht man das? Warum wird ein (halbwegs?) gutes Produkt mit Software lahmgelegt und zugemüllt? Ein Großteil der Normalanwender wird damit ohnehin nichts anzufangen wissen. Und die fortgeschrittenen Benutzer werden sich über so viel Unrat nur ärgern können. Ich musste beim Deinstallieren der vielen Tools und Programme immer wieder an Dilbert denken: Jeder technisch versierte Mitarbeiter muss dagegen doch Sturm gelaufen sein – aber am Ende gewinnt doch wieder der schmierhaarige Kollege vom Marketing: Auf dem Karton soll schließlich stehen können “Großes Programmpaket”, “Voll ausgestattet” oder “Rundumsorglos-Paket”.

Besonders geärgert habe ich mich in diesem Zusammenhang aber mal wieder über die Windows-Softwareverwaltung: Dieses Programm lässt den Benutzer schier verzweifeln: Jeweils nur ein Programm nach dem anderen lässt sich von der Festplatte tilgen, immer wieder muss man sich dafür durch unterschiedliche(!) Menüs klicken. In Kombination mit der Nutzlos-Softwarefülle derartiger Laptops schlicht eine Bestrafung. Danke.