In den letzten Tagen habe ich verschieden DVD-Ripping-Tools getestet. Die einfache Aufgabe: DVD mit Filmen aber auch Serien bequem, einfach und schnell mit möglichst hoher Qualität auf die Festplatte befördern.
Die Kandidaten: dvd::rip, AcidRip, ogmrip, HandBrake, k9copy und LemonRip.
dvd::rip
dvd::rip eignet sich sehr gut zum Rippen und Kodieren von DVDs und erinnert mich am ehesten an GordianKnot. Es gibt sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, die eigentlich jedem Wunsch gerecht werden. Beim Versuch einen größeren Film in drei Teile zu splitten hatte ich aber das Problem, dass Video und Ton asynchron waren (aus welchem Grund auch immer). Zudem fand ich gerade das Rippen von mehreren Titeln recht unkomfortabel. Sehr positiv: Es ist möglich, das Rippen eines Films auf mehrere Rechner zu verteilen – sogenannte Cluster. Auch finde ich das Programm erstaunlich übersichtlich dafür, dass es dem Nutzer so viele Möglichkeiten bietet.
ogmrip
ogmrip ist in erster Linie ein DVD-Ripper, der Das Rippen einfach machen soll – was m.E. auch gut gelingt. Sehr schön ist die Möglichkeit, verschiedene Profile anzulegen: So kann man mit einem Klick auswählen, ob man den Film für seine Telefon, für den PC oder für seinen DVD-Player kodieren möchte. Dummerweise war ich just in diesem Fall in der unglücklichen Situation, einen Film in Graustufen kodieren zu wollen – keine Ahnung, ob das einen großen Unterschied macht – mit ogmrip war der entsprechende Schalter nicht zugänglich (getestet mit XViD). Viel schlimmer war allerdings die Tatsache, dass ogmrip beim Rippen mehrfach abgestürzt ist und “Segmentation Faults” ausgespuckt hat. Weiterhin hat sich das Programm beim Zuschneiden mehrfach aufgehängt. Positiv dahingegen fand ich die Möglichkeit, mehrere Titel einer DVD in den Queue zu schieben und dann in einem Rutsch abarbeiten zu lassen.
AcidRip
AcidRip ist ein weiteres Frontend für den mencoder. Im Gegensatz zu ogmrip wird hier der mencoder aber nicht so sehr vor dem Benutzer versteckt: Einige wichtige Optionen (wie Audio, Untertitel, Codec, Bitrate, Crop und Scale) sind über Schalter zugänglich, weitergehende Funktionen müssen als mencoder-Parameter in Textboxen eingetragen werden. AcridRip ist insgesamt leicht zu bedienen, bietet aber nur die Möglichkeit, jeweils eine Audio- und Untertitelspur zu setzen.
AcidRip wird häufig als Ripper für Einsteiger bezeichnet, ich sehe darin aber eher ein mencoder-Frontend, das den mencoder nicht so weit “wegabstrahiert”, wie etwa ogmrip. Für ein Einsteigerprogramm wirkt AcidRip dann auch reichlich unübersichtlich und müsste anders strukturiert sein. Insgesamt aber eigentlich ein schönes Tool für Fortgeschrittene die eine GUI nutzen möchten, ohne sich von dieser in der Wahlfreiheit beschneiden zu lassen.
k9copy
Bei k9copy handelt es sich – der Name deutet es an – um ein KDE-Programm. Da ich für Gnome aber lediglich DVD95 als Alternative kenne und mit dieser in der Vergangenheit nicht sonderlich zufrieden war, habe ich mir stattdessen mal k9copy näher angesehen. k9copy (und DVD95) sind in erster Linie dazu da, große DVDs (DVD9) so zu verkleinern, dass sie auf einen handelsüblichen DVD Rohling passen (DVD5). Um das zu erreichen werden die Filme umkodiert, es lassen sich aber auch Tonspuren und Untertitelspuren streichen, weiterhin werden die Menüs etwas zusammengestaucht. Vorteil dieser Methode ist der Umstand, dass man ein komplettes Backup seiner DVD hat, ohne auf besondere Features (wie Kommentare des Regisseurs) verzichten zu müssen. Auch findet ja mancheiner Gefallen an aufwändig gestalteten Menüs und möchte diese nicht missen. Der Nachteil liegt auf der Hand: Durch das Umkodieren auf DVD5 nimmt die Qualität des Materials deutlich ab. Das Ausmaß der Qualitätseinbuße hängt aber in erster Linie davon ab, auf wie viele Tonspuren man verzichten kann und wie groß das Ausgangsmaterial ist. Nicht jede DVD9 ist prall gefüllt und eine sechs GB große DVD lässt sich durchaus ohne große Einbußen zusammenstauchen.
Sowohl DVD95 als auch k9copy bieten die Möglichkeit, die DVD nicht zu verkleinern, sondern zu rippen (weswegen die beiden Programme hier überhaupt Erwähnung finden). Während diese Möglichkeit bei DVD95 aber sehr rudimentär ist und sich kaum beeinflussen lässt, bietet k9copy ein breites Spektrum verschiedener Einstellungen. Es lassen sich viele verschiedene Codecs definieren, wobei jeweils die Parameter für ffmpeg oder mencoder von Hand eingegeben werden müssen. Es gibt allerdings auch Codec-Vorgaben, so dass die meisten Benutzer vom händischen Einstellen verschont bleiben. Zum Kodieren muss der Benutzer dann lediglich einen der Codecs auswählen und noch einige Details wie Dateigröße oder Bitrate auswählen und kann entscheiden, ob es zwei Durchläufe geben soll oder nicht. Auch das Cropping kann man sich dabei abnehmen lassen.
Hier fiel mir allerdings sehr negativ auf, dass man diese Einstellungen (Dateigröße, Video-Bitrate, Audio-Bitrate, Cropping) für jeden einzelnen Titel auf einer DVD wiederholen muss; ich habe keinen Schalter gefunden, mit dem sich diese Einstellung auf alle zu rippenden Titel anwenden ließ. Im Regelfall möchte man vermutlich nur einen einzigen Titel (etwa den Hauptfilm) auf die Festplatte bringen und wird sich daran nicht stören. Sobald man aber 6 Folgen einer Serie kopieren möchte, wird das schon sehr mühselig. So ist k9copy für KDE-Film-Liebhaber eine gute Wahl, Gnome-Serien-Fans werden sich aber oft darüber ärgern.
Lemonrip
Lemonrip ist ein beeindruckendes kleines Perl-Programm: Gerade einmal 1750 Zeilen wiegt es und kommt dafür mit einer praktischen GUI daher. Auch Lemonrip setzt auf mencoder auf und vereinfacht das Rippen von DVDs deutlich. Leider geht das in diesem Beispiel sehr zu Lasten der Konfigurierbarkeit: So konnte ich bei meinem Test lediglich zwischen 5 Profilen wählen, etwa “XVID 700MB” und “XVID 1100MB”. Weitere Einstellungen (Graustufen, Audio-Format und Audio-Bitrate, Anzahl der Durchläufe u.v.m.) ließen sich nicht über die GUI vornehmen. Zwar kann man weitere Profile direkt im Quellcode ergänzen und anscheinend auch in bestimmten Dateien eintragen – allerdings nur als komplette mencoder-Befehlszeile. Für Anfänger ist diese Möglichkeit also denkbar ungünstig. Auch gab es keine Möglichkeit, eine ISO-Datei oder DVD-Struktur auf der Festplatte als Quelle anzugeben. Angesichts der Tatsache, dass mencoder sowohl ISO-Dateien als auch DVD-Strukturen wie gewöhnliche DVDs einlesen kann, also eigentlich eine unnötige Beschränkung. Schließlich könnte die GUI auch an der einen oder anderen Stelle noch optimiert werden: So kann man zwar für jeden Titel einer DVD ein anderes Profil wählen – der Dialog dazu lässt sich aber nur über die Werkzeugleiste aufrufen, obwohl das jeweilige Profil in einer Liste neben dem Titel eingetragen ist. Hier wäre eine DropDown-Box sicher intuitiver. Auch die Auswahl der Sprache und des Untertitels könnte auf diese Weise deutlich vereinfacht werden.
Insgesamt stören an Lemonrip viele Einschränkungen und “Nicklichkeiten”. Vielleicht werden zukünftige Versionen in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen. Sehr gefallen hat mir dahingegen die übersichtliche Darstellung des DVD-Inhaltes: Alle Titel werden in einer Liste dargestellt und lassen sich mit einem Hacken zum Rippen anwählen. Damit wäre Lemonrip gerade auch zum Rippen von Serien ideal und hatte im “Test” nach meinen Dafürhalten die intuitivste GUI.
HandBrake
Bei HandBrake sollte man die größte Einschränkung vorwegnehmen: Mittlerweile ist das Programm fast ausschließlich auf H.264 ausgelegt. Zwar gibt es noch die Möglichkeit, mit FFmpeg ein nicht näher spezifiziertes MPEG-4 zu erstellen, das ist aber anscheinend eher zu Testzwecken gedacht.
Wenn man diese Prämisse aber akzeptieren kann, erledigt HandBrake seine Aufgabe bestens: Man kann zwischen verschiedenen Presets wählen und jeder Zeit neue anlegen. Als Quelle akzeptiert HandBrake DVDs, DVD-Verzeichnisstrukturen und ISO-Dateien gleichermaßen. Die einzelnen Titel einer DVD können sehr leicht mit unterschiedlichen Einstellungen gerippt werden, wobei jeweils auch mehrere unterschiedliche Audio- und Untertitelspuren gewählt werden können.
Sehr gut gefallen hat mir auch die “Picture Settings”-Funktion: In einem speziellen Fenster kann man nicht nur die automatische Beschneidung kontrollieren und anpassen oder ggf. eine Größenveränderung einrichten: Man kann auch sehr einfach einen beliebigen Zeitabschnitt von einer beliebigen Stelle des Videos “probekodieren”. Dabei finden alle gemachten Einstellungen (also etwa Video-Bitrate, B-Frames, u.v.m.) Berücksichtigung. So erhält man frühzeitig einen Eindruck davon, wie sich die Einstellungen auf das Endresultat auswirken.
Zum Rippen von Filmen ist HandBrake also geradezu ideal. H.264 ist ohnehin eine bessere Wahl als das etwas in die Jahre gekommene XViD – allerdings benötigt es (auch beim Abspielen) mehr Ressourcen und wird von vielen DVD-Playern noch nicht unterstützt.
Fazit:
Auch wenn ich den ein oder anderen Ripper mehr kritisiert habe: Insgesamt machen die Programme ihren Job durchaus ordentlich. Wer häufig Filme mit dem selben Encoder und den selben Einstellungen rippen möchte, wird sich sicher auch nicht daran stören, dass er bei AcidRip und Lemonrip einige Optionen einmalig von Hand eintippen muss. Ogmrip ist dabei in mancher Hinsicht ein guter Kompromiss zwischen Konfigurierbarkeit und Einsteigerfreundlichkeit, auch wenn ich hier und da einen Schalter vermisse. dvd:rip und HandBrake sind aber m.E. die Programme, die einem auf Wunsch die vielen Einstellungen am besten abnehmen, sie aber nicht völlig verstecken und somit auch Perfektionisten gefallen dürften.
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